Regulierung & Zukunftssicherheit

ISCC PLUS für Kunststoffverarbeiter: Warum große Kunden danach fragen – und wie Sie darauf antworten

Kosmetikverpackungen: eine Tube und zwei weiße Cremedosen mit silbernen Deckeln
Foto: Unsplash

Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung für Entscheider und ersetzt keine Beratung durch eine ISCC-Zertifizierungsstelle oder eine Rechtsberatung. Maßgeblich sind die jeweils gültigen ISCC-PLUS-Systemdokumente und der Text der Verordnung (EU) 2025/40. Die Methodik zur Anrechnung von Rezyklat nach PPWR ist noch nicht verabschiedet; wir aktualisieren den Beitrag, sobald sie vorliegt.

Irgendwann kommt die Mail aus dem Einkauf eines großen Kunden. Freundlich, knapp, mit Frist: „Bitte bestätigen Sie uns, ob Sie ISCC-PLUS-zertifiziert sind, und senden Sie uns das Zertifikat.“ Wer dann antworten muss „sind wir nicht“, ist nicht sofort raus. Aber er steht bei der nächsten Ausschreibung nicht mehr ganz oben auf der Liste.

Für viele Kunststoffverarbeiter, Spritzgießer und Hersteller von Verpackungen wie Dosen und Cremetiegeln ist ISCC PLUS deshalb kein Nachhaltigkeitsprojekt für die Broschüre. Es ist eine Eintrittskarte. Holger Göbel von der Filthaus GmbH, einem Hersteller von Kunststoffdosen und technischen Kunststoffteilen aus Meinerzhagen, bringt es auf den Punkt: Die großen Kunden brauchen und wollen das. Und wer es hat, kommt an Geschäft, an das er vorher nicht herangekommen ist.

Dieser Beitrag erklärt ohne Fachchinesisch, was hinter ISCC PLUS steckt, wie die Massenbilanz funktioniert, was die Zertifizierung im Betrieb bedeutet und warum das Thema mit der EU-Verpackungsverordnung noch wichtiger wird.

Was ist ISCC PLUS?

ISCC steht für International Sustainability and Carbon Certification. Das System entstand ursprünglich für Biokraftstoffe. ISCC PLUS ist der Zweig für alle anderen Märkte: Chemie, Kunststoffe, Verpackungen, Lebensmittel, technische Anwendungen.

ISCC PLUS bewertet nicht, ob eine Dose gut ist. Es weist nach, woher ihr Rohstoff kommt – und dass dieser Nachweis auf dem Weg durch die Lieferkette nicht verloren gegangen ist. Zertifiziert werden alternative Rohstoffe, die herkömmliches Erdöl ersetzen:

Rohstoffkategorie Beispiele Typischer Weg in die Kunststoffverpackung
Bio Pflanzenöle, Holz, Agrarrohstoffe Bio-basierte Vorprodukte für Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP)
Biozirkulär Abfälle und Reststoffe biologischen Ursprungs, etwa Altspeiseöl Wie oben, aber aus Reststoffen statt Anbau
Zirkulär Kunststoffabfall, mechanisch oder chemisch recycelt Rezyklat oder Pyrolyseöl als Rohstoff für neues Granulat
Erneuerbar Energie aus nicht-biologischen erneuerbaren Quellen Wasserstoff, Strom für Prozesse

Fazit der Tabelle: Für Verpackungshersteller sind vor allem zirkuläre und biozirkuläre Rohstoffe relevant. Sie stecken in Granulat, das von außen genauso aussieht wie herkömmliches – deshalb braucht es den Nachweis.

Wichtig: ISCC PLUS ist freiwillig. Es gibt kein Gesetz, das es vorschreibt. Der Druck kommt aus dem Markt und zunehmend aus der Regulierung, dazu weiter unten mehr.

Warum große Kunden ISCC PLUS verlangen

Große Konsumgüter- und Kosmetikmarken haben sich öffentlich Ziele gesetzt: weniger fossiles Neumaterial, mehr Rezyklat, bessere Klimabilanz der Verpackung. Diese Ziele müssen sie in Nachhaltigkeitsberichten belegen. Mit einem Lieferantenversprechen am Telefon ist das nicht getan. Sie brauchen ein Zertifikat, das ein unabhängiger Auditor geprüft hat und das jeder in einer öffentlichen Datenbank nachschlagen kann.

Dazu kommt: Wer auf der Dose oder in der Werbung mit „aus recyceltem Material“ wirbt, muss das belegen können. Seit dem 27. September 2026 gelten mit der EU-Richtlinie zur Stärkung der Verbraucher für den ökologischen Wandel strengere Regeln gegen unbelegte Umweltaussagen. Ein Markenhersteller, der eine solche Aussage macht, wird sie absichern wollen – und gibt die Anforderung an seine Lieferanten weiter.

Das Ergebnis für den Verarbeiter ist einfach:

  • Ohne Zertifikat kann er Anfragen nach Verpackungen mit zertifiziertem Kreislauf- oder Bio-Anteil schlicht nicht bedienen.
  • Mit Zertifikat kann er sie bedienen, und zwar mit demselben Maschinenpark, denselben Werkzeugen und derselben Qualität wie bisher.

So funktioniert die Massenbilanz

Hier steigen die meisten aus, weil es beim ersten Hören nach Schummelei klingt. Ist es nicht. Es ist Buchhaltung – mit Auditor.

Stellen Sie sich einen Chemiepark vor. Dort laufen 30 Tonnen zertifizierter Rohstoff, etwa Pyrolyseöl aus Altkunststoff, und 70 Tonnen herkömmlicher Rohstoff durch dieselbe Anlage. Beides lässt sich nicht trennen, der Cracker fragt nicht nach Herkunft. Am Ende kommen 100 Tonnen Kunststoff heraus, alle gleich.

Nach dem Massenbilanz-Prinzip darf der Hersteller jetzt bis zu 30 Tonnen (abzüglich Prozessverlusten) als zertifiziert verkaufen. Physisch ist in diesem Sack Granulat vielleicht kein einziges Molekül aus Altkunststoff. Rechnerisch ist es aber genau die Menge, die er eingekauft hat – nicht mehr. Der Auditor prüft, dass die Bücher stimmen.

Das Prinzip der Massenbilanz bei ISCC PLUS Ein Rohstoffhersteller setzt zum Beispiel 30 Tonnen zertifizierten Kreislauf-Rohstoff und 70 Tonnen fossilen Rohstoff ein. Beide werden physisch gemischt. In der Buchhaltung werden die 30 Tonnen zertifizierte Menge auf bestimmte Produkte übertragen, abzüglich Prozessverlusten. Diese Produkte dürfen als ISCC-PLUS-zertifiziert nach Massenbilanz weitergegeben werden. Jede Stufe der Lieferkette, die das Material weitergibt, braucht ein eigenes gültiges Zertifikat. Mehr zertifizierte Menge, als eingekauft wurde, darf nie verkauft werden. 30 t zertifiziertKreislauf-/Bio-Rohstoff 70 t fossilherkömmlicher Rohstoff Anlagephysisch gemischt zertifiziert (MB)≤ 30 t minus Verluste ohne ClaimRest der Produktion BUCHHALTUNG STATT TRENNUNG Jede Stufe, die zertifiziertes Material weitergibt, braucht ein eigenes Standortzertifikat. Verkauft werden darf nie mehr zertifizierte Menge, als eingekauft und gebucht wurde.
Massenbilanz: Zertifizierte und herkömmliche Rohstoffe werden gemeinsam verarbeitet, die zertifizierte Menge wird in der Buchhaltung bestimmten Produkten zugeordnet.

Warum macht man das so? Weil es anders nicht skaliert. Eigene Anlagen nur für Rezyklat oder Bio-Rohstoffe zu bauen, würde Jahre dauern und Milliarden kosten. Die Massenbilanz erlaubt es, den Anteil zertifizierter Rohstoffe in bestehenden Anlagen Stück für Stück zu erhöhen.

ISCC PLUS kennt neben der Massenbilanz noch zwei weitere Wege:

Nachweisverfahren Was physisch passiert Was im Produkt steckt Typischer Einsatz
Physische Trennung Zertifiziertes Material wird nie mit anderem gemischt Zu 100 % zertifiziertes Material Mechanisches Rezyklat in eigener Linie
Kontrolliertes Mischen Beide werden gemischt, Anteil ist bekannt und dokumentiert Physisch genau der angegebene Anteil Compounds mit festem Rezyklatanteil
Massenbilanz Beide werden gemischt, Zuordnung erfolgt rechnerisch Rechnerisch zugeordnet, physisch nicht garantiert Chemisches Recycling, Bio-Rohstoffe in Großanlagen

Fazit der Tabelle: Alle drei Wege sind zertifiziert und geprüft. Sie unterscheiden sich darin, was der Kunde über die konkrete Dose sagen darf. Das gehört vor jeder Werbeaussage geklärt.

Kunststoffverarbeitung: Spritzgießmaschinen und Anlagen in einer Produktionshalle
Für den Verarbeiter ändert sich an der Maschine nichts. Zertifiziertes Granulat läuft auf denselben Spritzgießmaschinen – neu sind Wareneingang, Buchhaltung und Nachweise.

Die Lieferkette: Jedes Glied braucht sein Zertifikat

Das Wichtigste, was Sie über ISCC PLUS wissen müssen: Der Nachweis reist nur von Zertifikat zu Zertifikat. Jeder Standort, der das Material besitzt und es als zertifiziert weitergeben will, braucht ein eigenes, gültiges Zertifikat. Ausgenommen sind nur Transportunternehmen.

ISCC PLUS entlang der Lieferkette einer Kosmetikdose Ursprung: Abfall oder Biomasse wird erfasst. Recycler oder Rohstoffhersteller erzeugt zertifizierten Rohstoff. Kunststoffhersteller liefert zertifiziertes Granulat. Verarbeiter, etwa ein Spritzgießer, fertigt Dosen und Tiegel. Markenhersteller füllt ab und darf den Claim nutzen. Jede Stufe mit Eigentum am Material braucht ein Zertifikat, reine Transporteure nicht. 1UrsprungAbfall,Biomasse 2RohstoffRecycler,Chemie 3GranulatKunststoff-hersteller 4VerarbeiterDosen, Tiegel,Spritzguss 5Markefüllt ab,nutzt Claim Bricht die Kette an einer Stelle, endet der Nachweis dort – auch wenn das Material physisch gleich bleibt.
Von der Abfallsammlung bis zur Marke: Der Nachweis wandert nur über zertifizierte Standorte. Fehlt einer, endet die Kette dort.

Für einen Dosenhersteller heißt das konkret:

  1. Er kauft Granulat bei einem zertifizierten Lieferanten. Auf Lieferschein und Nachhaltigkeitserklärung steht die zertifizierte Menge.
  2. Er bucht diese Menge in seine eigene Massenbilanz ein.
  3. Er fertigt Dosen und verkauft sie mit einer eigenen Nachhaltigkeitserklärung an den Markenhersteller weiter – höchstens in Höhe der eingebuchten Menge.
  4. Der Markenhersteller, der die Dose befüllt und nicht mehr verändert, nutzt den Claim auf Produkt oder Website, je nach Regelwerk mit Lizenz.

Fällt einer dieser Schritte aus, etwa weil der Granulathändler sein Zertifikat nicht verlängert hat, ist der Nachweis weg. Das Material ist physisch dasselbe, aber es darf nicht mehr als zertifiziert verkauft werden. Lieferantenzertifikate regelmäßig prüfen gehört deshalb zum Pflichtprogramm.

Was die Zertifizierung im Betrieb bedeutet

Wer zum ersten Mal mit ISCC PLUS zu tun hat, erwartet oft ein Riesenprojekt. In der Praxis ist es überschaubar, wenn man es ordentlich anpackt. Laut ISCC läuft die Zertifizierung in diesen Schritten ab:

Schritt Was passiert Worauf es ankommt
1. Zertifizierungsstelle wählen Vertrag mit einer von ISCC anerkannten Stelle, z. B. DQS, SGS, TÜV, DEKRA Erfahrung mit Kunststoffverarbeitern, Auditorenverfügbarkeit
2. Registrierung Anmeldung als ISCC-Systemnutzer im ISCC-Portal Saubere Abgrenzung: welcher Standort, welche Tätigkeit
3. Vorbereitung Prozesse für Wareneingang, Massenbilanz, Dokumentation und Schulung aufsetzen, internes Audit Wer ist verantwortlich? Wo werden die Zahlen gebucht?
4. Audit Prüfung vor Ort oder remote; Abweichungen innerhalb von 40 Tagen beheben Vollständige Unterlagen, nachvollziehbare Mengen
5. Zertifikat Ausstellung innerhalb von 60 Tagen nach Audit, Veröffentlichung in der ISCC-Datenbank Ab jetzt darf zertifiziertes Material gehandelt werden
6. Jährlich Zertifikat gilt 12 Monate, dann Re-Audit Laufende Pflege, nicht nur Projekt

Fazit der Tabelle: Der Aufwand liegt weniger in der Technik als in Disziplin bei Buchhaltung und Dokumentation. Zertifizierungsstellen nennen für die Erstzertifizierung häufig drei bis sechs Monate.

Ein Unternehmen mit funktionierendem Qualitätsmanagement nach ISO 9001 hat hier einen Vorsprung: Wareneingangsprüfung, Lenkung von Dokumenten und interne Audits sind dort schon gelebte Praxis. Neu ist vor allem die Massenbilanz-Buchhaltung: Welche zertifizierte Menge ist rein, welche ist raus, mit welchen Umrechnungsfaktoren und Verlusten.

Kosten hängen von Unternehmensgröße, Standorten und Komplexität ab. Dazu kommen die Gebühren der Zertifizierungsstelle und eine Registrierungsgebühr bei ISCC. Seriöse Zahlen bekommen Sie nur über ein Angebot einer Zertifizierungsstelle.

Weißes Kunststoffgranulat auf einer hellen Fläche
Zertifiziertes und herkömmliches Granulat sehen gleich aus. Was sie unterscheidet, steht auf dem Lieferschein und in der Nachhaltigkeitserklärung.

Was die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) damit zu tun hat

Bis hierher war alles freiwillig. Mit der EU-Verpackungsverordnung (EU) 2025/40, kurz PPWR, wird ein Teil davon Pflicht. Die Verordnung gilt seit dem 12. August 2026, viele Anforderungen greifen aber erst später.

Für Kunststoffverpackungen besonders wichtig ist Artikel 7: Mindestanteile an Rezyklat. Ab dem 1. Januar 2030 muss jeder Kunststoffteil einer Verpackung einen Mindestanteil an Rezyklat aus Post-Consumer-Abfall enthalten. Gerechnet wird als Durchschnitt pro Herstellungswerk und Jahr, je Verpackungsart.

Verpackungsart Mindestanteil Post-Consumer-Rezyklat ab 2030
Kontaktempfindliche Verpackungen aus PET (außer Getränkeflaschen) 30 %
Kontaktempfindliche Verpackungen aus anderen Kunststoffen, z. B. PP- oder PE-Dosen für Kosmetik 10 %
Einweg-Getränkeflaschen aus Kunststoff 30 %
Sonstige Kunststoffverpackungen 35 %

Fazit der Tabelle: Kosmetikdosen und Cremetiegel gelten als kontaktempfindlich. Für sie liegt die Hürde 2030 bei 10 Prozent – erreichbar, aber nur mit Rezyklat, das für den Kontakt mit Kosmetik geeignet und sauber nachgewiesen ist. Ab 2040 steigen die Quoten.

Wie der Rezyklatanteil berechnet und überprüft wird, legt die EU-Kommission in einem Durchführungsrechtsakt fest, der laut Zeitplan bis Ende 2026 vorliegen soll. Darin wird auch geklärt, ob und wie massenbilanziertes Rezyklat aus chemischem Recycling auf die Quote angerechnet werden darf. Stand heute (30. Oktober 2026) ist dieser Rechtsakt noch nicht verabschiedet.

Was heißt das für Sie?

  • Rückverfolgbarkeit wird Pflicht. Egal wie die Methodik am Ende aussieht: Wer Rezyklatanteile nachweisen muss, braucht ein System, das Mengen sauber durch die Kette verfolgt. Wer ISCC PLUS schon lebt, hat das.
  • Nicht jeder Claim zählt automatisch. Ob eine ISCC-PLUS-Massenbilanz eins zu eins für die PPWR-Quote reicht, ist offen. Planen Sie Ihre Werbeaussagen und Lieferverträge so, dass Sie nachsteuern können.
  • Kunden fragen jetzt, nicht 2029. Markenhersteller bauen ihre Lieferantenbasis für 2030 heute auf. Wer dann erst anfängt, ist zu spät.

Ab 2030 muss außerdem jede Verpackung recyclingfähig sein, mehr dazu unter Design for Recycling. Zur PPWR gehört zudem die EU-Konformitätserklärung für Verpackungen, die Hersteller seit dem 12. August 2026 ausstellen müssen. Was eine Konformitätserklärung grundsätzlich ist, erklärt unser Glossar.

Großer Haufen bunter Kunststoff-Flaschendeckel in einem Sammelbehälter
Post-Consumer-Rezyklat beginnt im Sammelbehälter. Ab 2030 schreibt die PPWR Mindestanteile vor – für Kosmetikdosen aus PP oder PE 10 Prozent.

Häufige Fehler

Diese Stolpersteine sind typisch – und alle vermeidbar:

  1. Den Vertrieb nicht einbinden. Die Zertifizierung wird als QM-Projekt aufgesetzt, der Vertrieb erfährt davon aus dem Newsletter. Dabei ist es ein Verkaufsargument, das in jedes Angebot gehört.
  2. Mehr versprechen, als die Bilanz hergibt. Eine Werbeaussage wie „aus 100 % recyceltem Material“ bei Massenbilanz ist heikel. Formulierungen mit dem Kunden und der Zertifizierungsstelle abstimmen.
  3. Lieferanten nicht prüfen. Das Zertifikat des Granulatlieferanten läuft ab, keiner merkt es. Ein Blick in die öffentliche ISCC-Zertifikatsdatenbank vor jeder Bestellung kostet zwei Minuten.
  4. Massenbilanz als Excel-Nebenprojekt führen. Spätestens beim zweiten Audit wird es eng. Die Bilanz gehört in ein System, das mit Wareneingang und Fakturierung verbunden ist.
  5. PPWR und ISCC verwechseln. ISCC PLUS ist ein freiwilliger Nachweis, die PPWR ist Gesetz. Das eine hilft beim anderen, ersetzt es aber nicht.

Fazit: Zertifikat ist Vertrieb

ISCC PLUS ist kein Thema für Sonntagsreden. Für Kunststoffverarbeiter und Verpackungshersteller ist es eine handfeste Voraussetzung, um bei großen Kunden mitzuspielen. Der Aufwand ist überschaubar, wenn Qualitätsmanagement und Buchhaltung sauber laufen. Und mit den Rezyklatquoten der PPWR ab 2030 wird belastbare Rückverfolgbarkeit vom Wettbewerbsvorteil zur Grundausstattung.

Wer heute zertifiziert ist, hat die Antwort parat, wenn die Mail aus dem Einkauf kommt. Wer es nicht ist, sollte jetzt anfangen – nicht dann, wenn die Frist im Postfach steht.

Quellen

Häufige Fragen zu ISCC PLUS

Was ist ISCC PLUS?

ISCC PLUS ist ein freiwilliges, international anerkanntes Zertifizierungssystem der International Sustainability and Carbon Certification. Es weist nach, dass bio-basierte, biozirkuläre oder zirkuläre Rohstoffe, etwa aus Kunststoffabfall, nachvollziehbar durch die Lieferkette gegangen sind. Unabhängige Zertifizierungsstellen prüfen jeden beteiligten Standort.

Wer braucht eine ISCC-PLUS-Zertifizierung?

Jedes Unternehmen, das zertifiziertes Material besitzt und es als zertifiziert weitergeben möchte, braucht ein eigenes Zertifikat: Recycler, Rohstoff- und Kunststoffhersteller, Händler, Verarbeiter wie Spritzgießer und Hersteller des Endprodukts. Reine Transportunternehmen müssen nicht zertifiziert sein. Markenhersteller, die das fertige Produkt nicht mehr verändern, nutzen den Claim über eine Lizenz.

Wie funktioniert die Massenbilanz bei ISCC PLUS?

Zertifizierte und herkömmliche Rohstoffe werden in derselben Anlage verarbeitet. Die eingesetzte zertifizierte Menge wird in einer geprüften Buchhaltung bestimmten Ausgangsprodukten zugeordnet, abzüglich Prozessverlusten. Physisch steckt das zertifizierte Material nicht zwingend in genau dieser Dose, rechnerisch aber in der Gesamtmenge. Mehr zertifizierte Menge, als eingekauft wurde, darf nie verkauft werden.

Wie lange ist ein ISCC-PLUS-Zertifikat gültig?

Ein ISCC-PLUS-Zertifikat gilt zwölf Monate und wird pro Standort ausgestellt. Danach ist ein erneutes Audit durch eine anerkannte Zertifizierungsstelle nötig. Gültige Zertifikate sind öffentlich in der Zertifikatsdatenbank auf der ISCC-Website einsehbar.

Wie lange dauert eine ISCC-PLUS-Zertifizierung?

Das hängt von der Vorbereitung und der Verfügbarkeit der Auditoren ab. Zertifizierungsstellen nennen für Gap-Analyse, Einrichtung der Prozesse und Erstaudit häufig drei bis sechs Monate. Nach dem Audit hat die Zertifizierungsstelle bis zu 60 Tage Zeit, das Zertifikat auszustellen. Ein bestehendes Qualitätsmanagement nach ISO 9001 hilft.

Ist ISCC PLUS Pflicht?

Nein, ISCC PLUS ist freiwillig. Gesetzlich verbindlich sind ab 2030 aber die Mindestanteile an Rezyklat in Kunststoffverpackungen nach Artikel 7 der EU-Verpackungsverordnung (PPWR). Wie dieser Anteil berechnet und geprüft wird, legt die EU-Kommission noch per Durchführungsrechtsakt fest. In der Praxis verlangen viele Markenhersteller ISCC PLUS bereits heute von ihren Lieferanten.

Was hat ISCC PLUS mit der PPWR zu tun?

Die PPWR schreibt ab 2030 Mindestanteile an Post-Consumer-Rezyklat in Kunststoffverpackungen vor, für kontaktempfindliche Verpackungen wie Kosmetikdosen aus PP oder PE mindestens 10 Prozent. Für diese Nachweise braucht es eine belastbare Rückverfolgbarkeit. ISCC PLUS ist dafür ein etabliertes System. Ob und wie massenbilanziertes chemisches Rezyklat auf die PPWR-Quoten angerechnet wird, entscheidet die noch ausstehende Methodik der EU-Kommission.

Austausch im Verbund

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Ob Sie sich gerade zertifizieren lassen, Ihre Lieferkette dafür aufstellen oder die Rezyklatquoten der PPWR vorbereiten: Schreiben Sie uns kurz, worum es geht. Wir prüfen, ob ein passender Ansprechpartner im Verbund verfügbar ist, und melden uns persönlich.

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