Glossar · Regulierung & Zukunftssicherheit

Rezyklat: Bedeutung, PCR und PIR und was die PPWR verlangt

Auch: Kunststoffrezyklat, PCR, Post-Consumer-Rezyklat, PIR, Post-Industrial-Rezyklat, Recyclat

Großer Haufen bunter Kunststoff-Flaschendeckel in einem Sammelbehälter
Foto: Unsplash

Mechanisches und chemisches Recycling

Verfahren Wie es funktioniert Stärken Grenzen
Mechanisch Sortieren, waschen, zerkleinern, aufschmelzen, granulieren Etabliert, energiearm Qualitätsverlust, Gerüche, Farbe; für Kontaktanwendungen oft nur eingeschränkt nutzbar
Chemisch Kunststoff wird z. B. per Pyrolyse in Grundstoffe zerlegt, daraus neuer Kunststoff Neuwarequalität, auch für sensible Anwendungen Energieintensiv; Anrechnung meist über Massenbilanz, Methodik nach PPWR noch offen

Fazit der Tabelle: Für Lebensmittel- und Kosmetikverpackungen ist chemisches Recycling oft der einzige Weg zu ausreichend reinem Rezyklat. Wie es auf die gesetzlichen Quoten angerechnet wird, entscheidet die EU-Kommission noch.

Rezyklat und die EU-Verpackungsverordnung

Die PPWR (Verordnung (EU) 2025/40) macht Rezyklat ab 2030 zur Pflicht. Jeder Kunststoffteil einer Verpackung muss dann einen Mindestanteil an PCR enthalten. Die Kommission legt per Durchführungsrechtsakt fest, wie dieser Anteil berechnet und überprüft wird; laut Zeitplan bis Ende 2026.

Für Verpackungshersteller heißt das: Bezugsquellen für geeignetes PCR jetzt sichern und Nachweise sauber führen. Systeme wie ISCC PLUS helfen, Rezyklatanteile entlang der Lieferkette nachzuweisen.

Rezyklat richtig kommunizieren

Wer mit Rezyklat wirbt, muss genau sein: PCR oder PIR, physischer Anteil oder Massenbilanz, bezogen auf das Produkt oder die Verpackung. Pauschale Aussagen wie „umweltfreundlich, weil recycelt“ sind seit September 2026 ohne konkreten Beleg kaum noch zulässig.

Häufige Fragen

Was bedeutet Rezyklat?

Rezyklat ist recyceltes Material, das wieder als Rohstoff eingesetzt wird. Bei Kunststoffen werden gebrauchte Verpackungen oder Produktionsreste gesammelt, sortiert, gereinigt und zu Granulat verarbeitet, aus dem neue Produkte entstehen.

Was ist der Unterschied zwischen PCR und PIR?

PCR (Post-Consumer-Rezyklat) stammt aus Abfällen, die nach dem Gebrauch durch Verbraucher oder Endnutzer anfallen, etwa aus dem Gelben Sack. PIR (Post-Industrial-Rezyklat) stammt aus Produktionsabfällen wie Angüssen oder Fehlteilen. PIR ist meist sortenreiner, zählt aber nicht für die PPWR-Rezyklatquoten.

Wie viel Rezyklat müssen Kunststoffverpackungen ab 2030 enthalten?

Nach Artikel 7 der PPWR ab 1. Januar 2030 mindestens 30 Prozent bei kontaktempfindlichen Verpackungen aus PET, 10 Prozent bei kontaktempfindlichen Verpackungen aus anderen Kunststoffen, 30 Prozent bei Einweg-Getränkeflaschen und 35 Prozent bei sonstigen Kunststoffverpackungen. Gerechnet wird als Durchschnitt pro Werk und Jahr. Ab 2040 steigen die Werte.

Darf Rezyklat für Kosmetikverpackungen verwendet werden?

Ja, Kosmetikverpackungen gelten nach PPWR als kontaktempfindlich. Das Rezyklat muss für den Kontakt mit dem Produkt geeignet sein und die Anforderungen der Kosmetikverordnung erfüllen. Das schränkt die verfügbaren Mengen an PCR deutlich ein.

Vertiefen im Magazin

Verwandte Begriffe

Quellen

Zuletzt aktualisiert: · Redaktion Industrie Digital Verbund · Alle Begriffe im Glossar