Glossar · Digitalisierung & Prozesse

PLM: Definition, Funktionen und Abgrenzung zu PDM und ERP

Auch: PLM, Product Lifecycle Management, Produktlebenszyklusmanagement, PLM-System, PDM

Zwei metallische Maschinenbauteile auf technischen Zeichnungen
Foto: EnCata PD / Unsplash

„Welche Zeichnung ist die aktuelle?“ Diese Frage kostet in vielen Maschinenbauunternehmen täglich Zeit. Konstruktionsstände liegen in Ordnern, Stücklisten werden von Hand ins ERP übertragen, und eine Änderung erreicht die Fertigung erst, wenn die alten Teile schon bestellt sind. Product Lifecycle Management setzt genau hier an: eine verlässliche Datenbasis für das Produkt, von der ersten Skizze bis zum letzten Ersatzteil.

Die Phasen des Produktlebenszyklus

Der Produktlebenszyklus im PLM Sechs Phasen sind kreisförmig um eine zentrale Produktdatenbasis angeordnet: Idee und Anforderungen, Entwicklung und Konstruktion, Fertigungsvorbereitung, Fertigung und Auslieferung, Service und Betrieb sowie Änderung und Auslauf. Alle Phasen greifen auf dieselben Daten zu: CAD-Modelle, Stücklisten, Varianten, Dokumente und Änderungen. Erfahrungen aus Service und Betrieb fließen in die nächste Produktversion zurück. ZentraleProduktdatenCAD, Stücklisten,Änderungen Idee & Anforderungen Entwicklung &Konstruktion Fertigungs-vorbereitung Fertigung & Auslieferung Service &Betrieb Änderung &Auslauf
Der Produktlebenszyklus im PLM: Alle Phasen greifen auf dieselbe zentrale Produktdatenbasis zu.

PLM begleitet ein Produkt durch alle Phasen:

  1. Idee und Anforderungen: Kundenanforderungen, Lastenheft, Konzepte
  2. Entwicklung und Konstruktion: CAD-Modelle, Berechnungen, Elektro- und Softwareanteile
  3. Fertigungsvorbereitung: Fertigungsstücklisten, Arbeitspläne, Prüfpläne
  4. Fertigung und Auslieferung: Freigegebene Stände gehen an ERP und Produktion
  5. Service und Betrieb: Ersatzteile, Dokumentation, Rückmeldungen aus dem Feld
  6. Änderung und Auslauf: Nachfolgeprodukte, Ersatzteilversorgung, Abkündigung

Entscheidend ist nicht die Abfolge, sondern der Rücklauf: Erfahrungen aus Fertigung und Service fließen in die nächste Produktversion ein.

Was ein PLM-System leistet

  • Zentrale Datenhaltung: CAD-Modelle, Zeichnungen, Datenblätter und Normen an einem Ort, mit Versionen und Rechten.
  • Stücklistenmanagement: Konstruktions- und Fertigungsstücklisten, Baugruppen und Varianten.
  • Änderungsmanagement: Änderungsanträge, Bewertung der Auswirkungen, Freigabe und Verteilung an alle Betroffenen.
  • Variantenmanagement: Konfigurierbare Produkte ohne Kopie jeder Variante, wichtig für CPQ.
  • Workflows und Freigaben: Wer prüft, wer gibt frei, wann geht ein Stand in die Fertigung?
  • Schnittstellen: Zu CAD-Systemen, ERP, MES und Servicesoftware.

PLM, PDM, ERP und MES im Vergleich

System Kernfrage Typische Inhalte Hauptnutzer
PDM Welcher Konstruktionsstand gilt? CAD-Dateien, Zeichnungen, Versionen Konstruktion
PLM Was ist das Produkt, und wie entwickelt es sich? Produktstruktur, Stücklisten, Varianten, Änderungen, Dokumente Entwicklung, Arbeitsvorbereitung, Qualität, Service
ERP Was wird wann gekauft, gefertigt und berechnet? Aufträge, Bestände, Termine, Kosten Vertrieb, Einkauf, Fertigungsplanung, Finanzen
MES Was passiert gerade in der Fertigung? Fertigungsaufträge, Maschinendaten, Rückmeldungen Produktion

Fazit der Tabelle: PLM ist die Quelle der Produktdefinition, ERP die Quelle der betriebswirtschaftlichen Planung. Die Übergabe der freigegebenen Stückliste vom PLM ins ERP ist eine der wichtigsten Schnittstellen im Maschinenbau.

Nutzen für Maschinen- und Anlagenbauer

  • Weniger Suchzeit und Fehler: Alle arbeiten mit dem aktuellen, freigegebenen Stand.
  • Saubere Änderungen: Änderungen werden bewertet und kommen rechtzeitig in Einkauf und Fertigung an.
  • Beherrschte Varianten: Kundenspezifische Ausführungen ohne Datenchaos.
  • Nachweisbarkeit: Für Kundenanforderungen, Audits und die technische Dokumentation, etwa für die CE-Kennzeichnung, sind Stände und Entscheidungen nachvollziehbar.
  • Grundlage für weitere Digitalisierung: Ein digitaler Zwilling, Produktkonfiguratoren oder digitale Ersatzteilkataloge brauchen saubere Produktdaten.

Typische Stolpersteine

  • Mit der Software beginnen: Ohne vorher geklärte Prozesse, etwa wer eine Änderung freigibt, bildet das System das bestehende Chaos nur digital ab.
  • Zu großer erster Schritt: Alle Phasen auf einmal einzuführen überfordert das Team. Erfolgreicher ist ein Start mit Datenverwaltung und Änderungsprozess.
  • Unklare Datenhoheit: Wenn Stücklisten sowohl im PLM als auch im ERP gepflegt werden, entstehen Widersprüche. Es muss festgelegt sein, welches System führt.
  • Altdaten unterschätzt: Die Übernahme alter Zeichnungen und Stücklisten kostet oft mehr Zeit als die Einrichtung des Systems.

Ein realistischer Einstieg

  1. Ist-Zustand aufnehmen: Wo liegen Daten heute, wo entstehen Fehler und Wartezeiten?
  2. Ziele festlegen: Zum Beispiel kürzere Änderungszeiten oder weniger Fehlbestellungen.
  3. Prozesse klären: Freigabe, Änderung und Übergabe ans ERP beschreiben.
  4. Klein starten: PDM-Funktionen und Änderungsmanagement für einen Produktbereich.
  5. Schrittweise erweitern: Varianten, Fertigungsvorbereitung, Service.

Anforderungen an ein PLM-System gehören in ein Lastenheft, die Lösung des Anbieters in ein Pflichtenheft.

Häufige Fragen

Was ist PLM einfach erklärt?

PLM ist die Verwaltung aller Informationen zu einem Produkt an einem Ort und über die gesamte Lebensdauer. Konstruktion, Arbeitsvorbereitung, Einkauf und Service arbeiten mit denselben, aktuellen Daten, etwa CAD-Modellen, Stücklisten und Zeichnungen, und jede Änderung ist nachvollziehbar.

Was ist der Unterschied zwischen PLM und PDM?

PDM (Produktdatenmanagement) verwaltet vor allem Konstruktionsdaten wie CAD-Dateien, Zeichnungen und Versionen innerhalb der Entwicklung. PLM geht darüber hinaus und bezieht Prozesse und Abteilungen über den gesamten Lebenszyklus ein, etwa Änderungswesen, Varianten, Fertigungsvorbereitung und Service. PDM gilt als Teil von PLM.

Was ist der Unterschied zwischen PLM und ERP?

PLM beschreibt, was ein Produkt ist und wie es entwickelt und geändert wird. ERP steuert die betriebswirtschaftlichen Abläufe, also Aufträge, Einkauf, Lager, Fertigungsplanung und Finanzen. Die freigegebene Stückliste wandert typischerweise aus dem PLM ins ERP. Beide Systeme ergänzen sich.

Für wen lohnt sich ein PLM-System?

Vor allem für Unternehmen mit eigener Entwicklung, vielen Varianten, häufigen Änderungen oder mehreren Standorten, etwa im Maschinen- und Anlagenbau. Wer nur wenige, stabile Produkte hat, kommt oft mit einem PDM-System und sauber gepflegten ERP-Stammdaten aus.

Was gehört zu den wichtigsten PLM-Funktionen?

Zentrale Verwaltung von CAD-Daten und Dokumenten, Stücklistenmanagement inklusive Varianten, Änderungsmanagement mit Freigabeprozessen, Versionierung, Rechte und Workflows sowie Schnittstellen zu CAD, ERP und gegebenenfalls MES.

Was hat PLM mit dem digitalen Zwilling zu tun?

Das PLM-System liefert die Struktur eines Produkts, also Modelle, Stücklisten und Konfigurationen. Ein digitaler Zwilling verknüpft diese Struktur mit realen Betriebsdaten. Ohne saubere Produktdaten aus dem PLM fehlt dem Zwilling die Grundlage.

Verwandte Begriffe

Quellen

Zuletzt aktualisiert: · Redaktion Industrie Digital Verbund · Alle Begriffe im Glossar